Australien mit dem “kleinen” Bruder

Wie es wohl ist, mit seinem Bruder um die Welt zu reisen? Svenja und Malte haben es gewagt und wie gelaufen ist, und ob sie heute noch miteinander reden, erzählt Svenja in diesem Artikel. 

 

Im Frühjahr 2012 saßen mein Bruder Malte (22 Jahre) und ich (26 Jahre) im Garten und er erzählte von seiner Idee die Welt zu bereisen. Mit dem Rucksack. Ohne strukturierten Plan. Ohne ewig Geld anzusparen. Möglichst bald. Fand ich genial! Also haben wir zwei around-the-world Tickets gekauft, unsere Rucksäcke für ein Jahr gepackt und uns dann Ende 2012 von unseren Lieben verabschiedet.

Los ging‘s in Shanghai, hier haben wir viel getrunken, viel gegessen und viele gefälschte Markenartikel – „NO! NO! That’s original my friend, but I will give you best price“ – gekauft.

Nach 2 Wochen China sind wir dann nach Sydney geflogen und haben 9 Monate in Australien verbracht. Die meiste Zeit waren wir tatsächlich in einem Dorf in der Nähe von Melbourne und haben auf einer Farm gearbeitet. Scheiß Arbeit aber eine grandiose Zeit!

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Zum Abschluss sind wir über Los Angeles, Las Vegas (hier haben wir das hart erarbeitete Geld gelassen) und New York (na gut, hier habe ich dann den kärglichen Rest ausgegeben) nach Hause geflogen.

Es hat mir immer ein großes Gefühl von Sicherheit gegeben, meinen kleinen Bruder und somit ein wichtiges Stück Familie bei mir zu wissen. Schon als wir im Flugzeug saßen, ich anfing zu weinen und am liebsten wieder ausgestiegen wäre, war mein Bruder eine große Stütze: „Svenja, versuch einfach zu schlafen!“ war sein Rat kurz bevor er wieder wegschlummerte… Sentimental werden wir tatsächlich nicht allzu oft :-)

 

Anfangs haben wir immer überlegt ob wir uns wohl trennen wenn wir uns auf die Nerven gehen und uns dann am jeweiligen Flughafen wiedertreffen. Soweit ist es aber nie gekommen. Aber ich denke es ist gut, dass jeder könnte wenn er wollte.
Uns haben viele Leute während unserer Reiserei gefragt:

Wie schafft ihr es als Geschwister zu reisen? Ist das nicht unglaublich nervig?

Nö. War es tatsächlich nicht. Ich halte es immer noch für eine der besten Ideen die wir je hatten und ich kann euch sagen, wir hatten schon viele weltklasse Ideen. Meinen Bruder hatte ich ja schließlich schon 20 Jahre lang zuhause ertragen und er mich. Wenn er mir auf die Nerven ging hab ich es ihm einfach gesagt ohne höflich sein zu müssen. Das ist, glaube ich, einer  der größten Vorteile: man muss nicht zwingend höflich sein, oder sich verstellen. Wir tragen einander keine Kraftausdrücke oder Zickereien nach. Der Umgangston unter Geschwistern ist einfach ein anderer als unter Freunden. Naja, bei uns beiden ist das auf jeden Fall so :-) Ich vermute, dass es mit Freunden einfach eine Weile dauern würde bis man aufeinander eingestellt ist und sich 24/7 ertragen kann.

 

Außerdem hat man immer irgendwie ein wenig Heimat dabei. Wir lagen so manche Nacht im Kofferraum unseres Autos und sprachen über Zuhaus. Da vermissten wir ja auch größtenteils die selben Personen… Ich glaube, niemand hätte die verschiedenen Heimweh-Phasen besser verstanden und mit mir teilen können!

Es ist auch einfach nicht von der Hand zu weisen, dass es ab und an ganz praktisch ist einen großen Mann dabei zu haben. Beispielsweise wenn man ein wenig angetrunken durch Kings Cross schlendert… der Backpack zu schwer beladen ist … das Zelt sich nicht von alleine aufbaut …

Das einzige was ich persönlich bemängeln würde ist die Tatsache, dass die meisten Leute einen erst mal für ein Paar halten. Aber hey, hier haben wir immer schnell für Klarheit sorgen können.
Also wenn ihr mich fragt war das eine großartige Idee und sobald Malte seinen Rucksack packt wird es auch mich wieder in den Fingern jucken :-)
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